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Endlich im Jahr 1912 (mit 13 Jahren also) fand George in Charles Hambitzer
seinen gesuchten großen Meister und Lehrer im Pianospielen.
Hambitzer spielte neben dem Klavier auch noch Geige und Cello, war aber vor
allem als Klaviervirtuose bekannt. Er war u.a. ein Anhänger der moderneren
Musik, so stellte er auch als erster Amerikaner der Öffentlichkeit
beispielsweise Schönbergs Werke für Klavier vor. Außerdem war er
einer der seltenen Menschen, denen der musikalische Ausdruck so
selbstverständlich war wie anderen das Atmen, er hatte zudem ein
phänomenales Gedächtnis und ein unglaublich scharfes Gehör.
Kurz um: er war das beste, was George hätte begegnen
können.
Hambitzer imponierte ganz besonders der Enthusiasmus und der Ernst, den
George beim Umgang mit der Musik zeigte, und er erbot sich spontan ihn kostenlos
zu unterrichten. Die Musikleidenschaft des Lehrers wirkte sich auf seinen neuen
Schüler aus. Er gab George Ziel und Richtung vor, bat ihm festen Halt und
eine solide Ausbildung, förderte und inspirierte ihn. George gestand
später: “ Ich verehrte ihn glühend!”
George hatte ein hartes Pensum an Klavieretüden zu verrichten, denen
er seine ausgefeilte Spieltechnik zu verdanken hatte. Er lernte die Hauptwerke
von Bach, Beethoven, Chopin und Liszt kennen, aber auch moderne Komponisten wie
Debussy und Ravel (was 1913 durchaus nicht selbstverständlich war).
Neben dem Klavierunterricht brachte ihm Hambitzer auch Harmonielehre,
Theorie und Instrumentation bei.
Es nahm keiner so entscheidenden Einfluß auf die frühe
künstlerische Entwicklung Gershwins wie Charles Hambitzer.
George entwickelte schon bald seinen Hang zur eher moderneren und
populären Musik, der sogenannten Tin Pan Alley (Bezeichnung für die
Songindustrie und Synonym für amerikanische Unterhaltungsmusik), doch sein
Lehrer schrieb in einem Brief an seine Schwester: “Er will sich unbedingt
mit dem modernen Krimskrams abgeben, mit Jazz und dergleichen. Aber das lasse
ich vorläufig nicht zu. Erst soll er sich gefälligst in der
seriösen Musik auskennen.”
Doch Georges Wunsch stand immer fester: Er wollte einen Job in der Tin Pan
Alley. Mit 16 Jahren gelangte er über einen Freund der Familie auch endlich
dahin, er bekam seinen ersten Job als Demo-Pianist beim Musikverlag
“Jerome H. Remick”. Sein Job bestand darin als sogenannter
Song-Plugger den Kunden, die in den Musikladen hereinkamen, neue Songs des
Verlages vorzuspielen.
Song-Plugger sind die Vermittler, die dem Künstler bzw. dem
Interpreten die Auftritte und Aufträge an Theatern oder Konzerthallen
beschaffen und dessen Songs verkaufen. (Ich glaube, daß wir sie heute eher
unter dem Namen “Agent” kennen.)
Von 1914 und 1917 war George im Remickverlag beschäftigt und sammelte
viele kostbare Erfahrungen in der Tin Pan Alley. Zwei Komponisten hatten es ihm
besonders angetan, so daß George trotz der allgemein niedrigen
Qualität der Musik das Vertrauen in das ungeheure Potential der
amerikanischen Unterhaltungsmusik nie verlor. Diese beiden waren Irving Berlin
und Jerome Kern.
George, der mittlerweile sich auch selbst dem Komponieren widmete,
imitierte diese beiden Komponisten mit allem Eifer, um selbst künstlerisch
weiterzukommen.
Außerdem wurde er inzwischen auch ein begeisterter Konzertbesucher
und achtete bei seinen Besuchen auf den thematischen, harmonischen und
rhythmischen Aufbau der Meisterwerke und überlegte, was sich davon für
die eigene Arbeit nutzen ließ.
Ab 1915 bekam George auf Anraten seines Klavierlehrers Hambitzer
zusätzlichen Theorie- und Harmonielehreunterricht bei Edward Kilenyi (aus
Ungarn), bei dem er fünf Jahre lang Unterricht nahm. Kilenyi wurde nach
Hambitzer, der leider schon 3 Jahre später starb, der Lehrer mit der
nachhaltigsten Prägung in Gershwins musikalischer Entwicklung.
Bei ihm lernte George neben allen Grundlagen auch Stimmführung,
Transposition, Modulation und Instrumentierung. Kilenyi ließ George die
Werke der großen Meister analysieren, so bekam George intensiven Einblick
in die Arbeitsweisen von Haydn über Debussy bis Strauss.
George versuchte immer wieder das Gelernte sofort für ihn
persönlich ins Gegenteil zu verkehren, doch auch Kilenyi bestand vorerst
darauf, daß sein Schüler die Regeln zunächst beherrschen
mußte, ehe er bewußt gegen sie verstoßen durfte.
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