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Gershwin, George (1898-1937).

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Endlich im Jahr 1912 (mit 13 Jahren also) fand George in Charles Hambitzer seinen gesuchten großen Meister und Lehrer im Pianospielen.

Hambitzer spielte neben dem Klavier auch noch Geige und Cello, war aber vor allem als Klaviervirtuose bekannt. Er war u.a. ein Anhänger der moderneren Musik, so stellte er auch als erster Amerikaner der Öffentlichkeit beispielsweise Schönbergs Werke für Klavier vor. Außerdem war er einer der seltenen Menschen, denen der musikalische Ausdruck so selbstverständlich war wie anderen das Atmen, er hatte zudem ein phänomenales Gedächtnis und ein unglaublich scharfes Gehör.

Kurz um: er war das beste, was George hätte begegnen können.

Hambitzer imponierte ganz besonders der Enthusiasmus und der Ernst, den George beim Umgang mit der Musik zeigte, und er erbot sich spontan ihn kostenlos zu unterrichten. Die Musikleidenschaft des Lehrers wirkte sich auf seinen neuen Schüler aus. Er gab George Ziel und Richtung vor, bat ihm festen Halt und eine solide Ausbildung, förderte und inspirierte ihn. George gestand später: “ Ich verehrte ihn glühend!”

George hatte ein hartes Pensum an Klavieretüden zu verrichten, denen er seine ausgefeilte Spieltechnik zu verdanken hatte. Er lernte die Hauptwerke von Bach, Beethoven, Chopin und Liszt kennen, aber auch moderne Komponisten wie Debussy und Ravel (was 1913 durchaus nicht selbstverständlich war).
Neben dem Klavierunterricht brachte ihm Hambitzer auch Harmonielehre, Theorie und Instrumentation bei.

Es nahm keiner so entscheidenden Einfluß auf die frühe künstlerische Entwicklung Gershwins wie Charles Hambitzer.

George entwickelte schon bald seinen Hang zur eher moderneren und populären Musik, der sogenannten Tin Pan Alley (Bezeichnung für die Songindustrie und Synonym für amerikanische Unterhaltungsmusik), doch sein Lehrer schrieb in einem Brief an seine Schwester: “Er will sich unbedingt mit dem modernen Krimskrams abgeben, mit Jazz und dergleichen. Aber das lasse ich vorläufig nicht zu. Erst soll er sich gefälligst in der seriösen Musik auskennen.”

Doch Georges Wunsch stand immer fester: Er wollte einen Job in der Tin Pan Alley. Mit 16 Jahren gelangte er über einen Freund der Familie auch endlich dahin, er bekam seinen ersten Job als Demo-Pianist beim Musikverlag “Jerome H. Remick”. Sein Job bestand darin als sogenannter Song-Plugger den Kunden, die in den Musikladen hereinkamen, neue Songs des Verlages vorzuspielen.
Song-Plugger sind die Vermittler, die dem Künstler bzw. dem Interpreten die Auftritte und Aufträge an Theatern oder Konzerthallen beschaffen und dessen Songs verkaufen. (Ich glaube, daß wir sie heute eher unter dem Namen “Agent” kennen.)

Von 1914 und 1917 war George im Remickverlag beschäftigt und sammelte viele kostbare Erfahrungen in der Tin Pan Alley. Zwei Komponisten hatten es ihm besonders angetan, so daß George trotz der allgemein niedrigen Qualität der Musik das Vertrauen in das ungeheure Potential der amerikanischen Unterhaltungsmusik nie verlor. Diese beiden waren Irving Berlin und Jerome Kern.
George, der mittlerweile sich auch selbst dem Komponieren widmete, imitierte diese beiden Komponisten mit allem Eifer, um selbst künstlerisch weiterzukommen.

Außerdem wurde er inzwischen auch ein begeisterter Konzertbesucher und achtete bei seinen Besuchen auf den thematischen, harmonischen und rhythmischen Aufbau der Meisterwerke und überlegte, was sich davon für die eigene Arbeit nutzen ließ.

Ab 1915 bekam George auf Anraten seines Klavierlehrers Hambitzer zusätzlichen Theorie- und Harmonielehreunterricht bei Edward Kilenyi (aus Ungarn), bei dem er fünf Jahre lang Unterricht nahm. Kilenyi wurde nach Hambitzer, der leider schon 3 Jahre später starb, der Lehrer mit der nachhaltigsten Prägung in Gershwins musikalischer Entwicklung.

Bei ihm lernte George neben allen Grundlagen auch Stimmführung, Transposition, Modulation und Instrumentierung. Kilenyi ließ George die Werke der großen Meister analysieren, so bekam George intensiven Einblick in die Arbeitsweisen von Haydn über Debussy bis Strauss.

George versuchte immer wieder das Gelernte sofort für ihn persönlich ins Gegenteil zu verkehren, doch auch Kilenyi bestand vorerst darauf, daß sein Schüler die Regeln zunächst beherrschen mußte, ehe er bewußt gegen sie verstoßen durfte.

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
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