George fand im Laufe der Jahre auch später zu Zeiten seiner
großen Erfolge in Kilenyi einen stets hilfsbereiten Berater für seine
Werke.
Kilenyi faßte seinen Gesamteindruck von George so zusammen: “Er
hatte ein besonderes, geradezu geniales Talent dafür, Einflüsse von
außen aufzunehmen und für seine eigene Musik
auszuwerten.”
Das nächste Ziel, das sich George nun im Jahre 1917 setzte, war der
Broadway. Er fand auch schon bald eine Stelle als Korrepetitor bei einem
Musical, das unter anderem von Jerome Kern geschrieben wurde. George unterhielt
seine Kollegen während den Arbeitspausen vor und hinter Bühne und
beeindruckte sie mit seinen improvisierten Einlagen am Klavier. Somit gewann er
auch Kerns Aufmerksamkeit und freundete sich mit der Zeit mit ihm an.
Georges Freundeskreis weitete sich nun immer weiter in das Genre des
Broadways aus. Ganz nach seinem bereits in jüngsten Jahren lebendigen
Temperament hatte er eine Vorliebe für Parties, das Nachtleben und
schöne Frauen entwickelt.
Doch damals wie später ging ihm die Musik über alles.
Georges selbstgeschriebene Songs mehrten sich, und 1919 schrieb George sein
erstes komplettes Musical La, La, Lucille, welches ein großer Erfolg
wurde. Infolgedessen machte sich Gershwin auch durch den verstärkten
Notendruck seiner Songs einen immer bekannteren Namen am Broadway und in der
sonstigen Umgebung.
Im selben Jahr schrieb Gershwin zusammen mit einem Freund, Irving Caesar,
den Hit Swanee und schaffte damit seinen absoluten Durchbruch im
Songbusiness. Dieser Song breitete sich in ganz Amerika wie eine Epidemie aus,
und die Noten verkauften sich wie heiße Semmeln. (kurzes Hörbsp.
Swanee)
George komponierte auch noch ein Streichquartett mit dem Titel Lullaby,
welches allerdings erst am 1967, also 30 Jahre nach seinem Tod uraufgeführt
wurde, nachdem es in der Kongreßbibliothek in Washington D.C. entdeckt
wurde. In diesem Stück zeigt Gershwin beträchtlichen Fortschritt im
Stimmsatz, im harmonischen Aufbau und in der bewußt eingesetzten
Klangwirkung.
Der nächste Meilenstein in Gershwins Karrierelaufbahn begab sich 1920,
als er mit George White einen Vertrag abschloß, ihm die Musik für
White’s Musical Scandals 1920 zu schreiben. Nach diesem
Musical folgten vier weitere, die der Reihe nach Scandals 1921 bis
Scandals 1924 hießen. Zwei Songtexte dazu stammten aus
George’s Bruder Ira’s Hand.
1922 wollte George Gershwin Neuland betreten, er plante zusammen mit einem
Kollegen Buddy De Sylva eine einaktige Negeroper Blue Monday zu komponieren, die
bei den Scandals miteingebaut werden sollte. Gershwins Bestreben war es, in neue
musikalische Dimensionen vorzustoßen. Er fand in Paul Whiteman, der damals
die Scandals dirigierte, und in Ferde Grofé, dem Arrangeur und engen
Kollegen von Whiteman, aufmunternden Zuspruch zu der Oper, und so ging George
mit dem größten künstlerischen Ehrgeiz ans Werk.
Die Proben waren anstrengender als je zuvor, doch noch viel grausamer war
das Warten auf die Reaktion des Publikums und der Presse. Gershwin bekam vor
Nervosität Stuhlverstopfung – ein Leiden, das später chronisch
wurde, und weil die Ärzte nie eine natürlich Ursache dafür
fanden, sprach Gershwin stets von seinem “Komponistenmagen”. Blue
Monday wurde jedoch leider ein Flop, da die ernste Szenenaufmachung und der
Inhalt nicht zu der darauffolgenden glitzernden Show paßten, und so setzte
George White Blue Monday gleich nach der ersten Aufführung ab.
Zwischen 1920 und 1923 wirkte George neben den Scandals aber auch noch an
anderen Musicalproduktionen mit.
Alle seine Songs aus dieser Zeit haben eines gemeinsam: aus ihnen spricht
Gershwins Suche nach neuen Effekten und handwerklicher Perfektion, wodurch sie
sich deutlich von der Massenware der Tin Pan Alley absetzten. Allmählich
erkannten auch die Vertreter der ernsthaften Zunft, daß in Gershwin ein
wichtiger Erneuerer der amerikanischen Unterhaltungsmusik heranwuchs.
In einem Zeitungsinterview aus dieser Zeit mit dem Konzertpianisten Beryl
Rubinstein wurde über Gershwin Folgendes gefunden: “ Dieser Bursche
hat den genialen Funken, das Feuer der Originalität ... Sein Stil und seine
Intentionen zeigen, daß man ihn nicht in die Schar der
Unterhaltungsmusiker einreihen darf, sondern in ihm eine herausragende
künstlerische Persönlichkeit sehen sollte ... Bald wird er, davon bin
ich überzeugt, einer der führenden amerikanischen Komponisten
sein.”
Am 1. Nov. 1923 gab die Sängerin Eva Gauthier in der Aeolian Hall,
eine der größten Konzertbühnen New Yorks, einen Liederabend.
Unter ihrem Repertoire befanden sich auch drei Lieder von Gershwin, die er
eigens an diesem denkwürdigen Abend am Piano begleitete. Das Publikum war
begeistert und erzwang sogar eine Zugabe, die Presse lobte ihn in den
höchsten Tönen, und von nun an hieß es in den Fachzeitschriften
über Gershwin: “Mit ihm beginnt der anspruchsvolle
Jazz.”
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