Mittlerweile gehörte George zu der absoluten High-Society im
Showbusineß. Er machte Bekanntschaften mit den großen Stars vom
Broadway, aus Hollywood, Paris und London.
Zu seinem engsten Freundeskreis gehörten mitunter der bereits
erwähnte Paul Whiteman, dem “King Of Jazz”, und Ferde
Grofé.
Wie Gershwin glaubte auch Whiteman an die Bedeutung und künstlerische
Entwicklungsfähigkeit der volkstümlichen Musik. Um auch seine
Landsleute auf dieses Phänomen aufmerksam zu machen, wollte er in einem der
seriösen Musikhallen ein anspruchsvolles Jazzkonzert veranstalten und einen
Querschnitt der besten amerikanischen Unterhaltungsmusik bieten. Für diesen
Anlaß sollte ihm Gershwin ein Auftragswerk schreiben.
Aus diesem Zusammenhang heraus entstand sein wahrscheinlich
weltberühmtestes Werk: die Rhapsody In Blue.
Noch ein paar Worte zur Entstehung:
Anfangs war George gar nicht so begeistert von diesem Auftrag , denn er
steckte gerade bis zu beiden Ohren in Arbeit, doch trotz seiner
Zurückhaltung für Whitemans Vorhaben, spukte ihm das Projekt doch im
Kopf herum.
Erste Ideen kamen ihm beim Improvisieren auf einer Party, ihm fiel auf
einmal eine weit ausschwingende Melodie ein, die später als Grundlage
für den berühmten langsamen Teil der Rhapsody dienen sollte
(Ausschnitt Hörbsp. Aus der Rhapsody), doch vorerst vergaß George
dieses Projekt völlig im Strudel seiner vielen drängenden
Arbeiten.
Erst als der angesetzte Uraufführungstermin immer näher
rückte, wurde er provoziert und nahm die Sache ernst. Gershwins Gedanken
lauteten bei der Arbeit an der Rhapsody: “ Ganz abgesehen davon, daß
man seine wahre Funktion grundsätzlich mißverstand, verdroß
mich das ewige Geschwätz über die angeblich so engen Grenzen des Jazz.
Es hieß zum Beispiel, er sei an ein festes Taktschema gebunden und auf
Tanzrhythmen beschränkt. Dieses Vorurteil wollte ich, wenn möglich,
ein für allemal widerlegen. Und mit diesem Ziel vor Augen machte ich mich
mit ungewöhnlicher Eile ans Werk.”
George schrieb die Rhapsody für zwei Klaviere, und sein Kollege Ferde
Grofé bearbeitete sie mehr oder weniger parallel dazu für Klavier
und Jazzband um, erst zwei Jahre später entstand die Version für
Klavier und Sinfonieorchester.
Am 12.Febr. 1924 fand dann endlich die lang angekündigte
Uraufführung im Rahmen eines großen Jazzkonzertes in der Aeolian Hall
statt. Das Konzert wurde unter das Motto “Experiment in modern
music” gestellt. Das Anliegen der Veranstalter lag darin, dem
amerikanischen Publikum zu zeigen, daß im Jazz doch eine anspruchsvolle,
amerikanische Musik liegt.
Unter den Zuhörern fanden sich hohe Tiere wie Jascha Heifetz, Fritz
Kreisler, Sergej Rachmaninow, Igor Strawinsky, Ernest Bloch etc. ein.
Doch im Großen und Ganzen bestand das Publikum aus einer bunt
zusammen gemixten Zuhörerschaft aus allen verschiedenen Richtungen ...
Presseleute, Sänger, Schauspieler, Jazzanhänger, song plugger
saßen Schulter an Schulter.
Die Aufführung wurde ein voller Erfolg und wurde mit begeisterter
Ovation belohnt. Publikum und Presse waren sich in der Beurteilung einig,
daß Gershwin mit diesem Stück etwas geschaffen hat, was ein sehr
wichtiger Schritt in ein neues Musikspektrum der amerikanischen Volksmusik war.
Kurz darauf verließ Gershwin die Scandals, da ihm diese
Stelle zu wenig Zeit für andere Projekte ließ. Und das nächste
Projekt ließ auch nicht lange auf sich warten. Gemeinsam mit der
Produktionsgemeinschaft Aarons und Freedley setzte er sich an die
Kompositionen für eine musikalische Komödie Lady Be
Good!.
Der beste Song aus dieser vom Publikum sehr positiv aufgenommenen
Komödie ist The Man I Love, welcher zwar bei
der Premiere am 1. Dezember 1924 nicht fürs Programm zugelassen wurde (da
er für die Produzenten den Rahmen des ansonsten auf Tempo und Rhythmus
angelegten Musicals sprengte), später aber zu einem unvergeßlichen
Klassiker Gershwins wurde. (Hörbsp. The Man I Love)
Lady Be Good wurde Modell für eine ganze weitere Folge von Musicals.
George und Ira bildeten von nun an ein unzertrennliches Team. George schrieb
die Musik und Ira kümmerte sich um die Texte.
1925 zog die gesamte Familie Gershwin in ein fünfgeschössiges
Haus am Riverside Drive (also in eine bereits etwas gehobenere Gegend) um.
Das ganze fünfte Geschoß war George’s
“Heiligtum”, wo er wohnte und vor allem arbeitete. Hier hatte er
seinen großen Steinway Flügel, an dem er die meiste Zeit des Tages
sitzen konnte und an den kleinsten Details seiner Stücke herumfeilte, aber
auch immer wieder mit großer Begeisterung seinen Gästen etwas
vorspielte, die ihm dann stundenlang zuhören durften. Seine Wohnung war
für jedermann zugänglich, so wurde er sehr oft von allen
möglichen Leuten besucht, die ihn interviewen oder um Rat und Hilfe fragen
oder sich einfach nur mit ihm unterhalten wollten.
Fest steht, daß Gershwins Tür für jeden weit offen stand.
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