Im selben Jahr (1925) entstand auch Gershwins nächstes großes
und weltweit anerkanntes Werk – das Klavierkonzert Concerto in
F.
Auf Vorschlag des Chefdirigenten der “New York Symphony
Society”, Walter Damrosch, machte sich George im Juli 1925 an die Arbeit
für ein großes Orchesterwerk. George entschied sich für ein
Klavierkonzert für Klaviersolo und Orchester und schloß einen Vertrag
ab, der ihm mitunter sieben Soloauftritte zusicherte.
Hierzu ist zu erwähnen, daß oftmals gemunkelt wird, George
hätte sich für die Arbeit erst einmal alle möglichen Bücher
besorgt, um sich über den Aufbau eines Konzertes zu informieren. Aber laut
des Autors ist das pure Verleumdung, da Gershwin sich sehr wohl schon sehr gut
mit der Sonatenhauptsatzform und dem Aufbau wichtiger Konzerte auskannte. Es
stimmt jedoch, daß George die Werke der großen Komponisten für
sein Vorhaben sehr intensiv studierte, um sich einmal mehr das Handwerk seiner
Vorbilder abzuschauen.
Premiere war am 3. Dezember 1925 in der Carnegie Hall, wo Gershwins Konzert
wieder von einer sehr gemischten Zuhörerschaft begutachtet wurde.
Die Kritik fiel sehr gespalten aus. Die einen lobten himmelhoch, die
anderen äußerten sich eher vernichtend über Gershwins Werk.
So findet sich auf der einen Seite der Kritiker die Behauptung : “...
das Werk ist sehr interessant und originell ...” und auf der Gegnerseite:
“... die Musik ist konventionell, banal und stellenweise sogar plump
...”.
Aber die Mehrheit zeigte sich sehr angetan von Gershwins Concerto in
F. Der ehrwürdige Walter Damrosch meinte in einem Programmheft,
Gershwin habe im Concerto aus dem Jazz eine “Lady” gemacht, was
dafür spricht, wie stark das gesamte Konzert trotz aller Seriosität
vom Jazzstil geprägt ist, welcher immer noch eher zur populären
Musikgattung zählte.
2 ½ Jahre später hatte das Concerto in F seine
Europa-Premiere, 1930 wurde es als einziges amerikanische Werk in die Liste der
fünfzig bedeutendsten modernen Kompositionen eingereiht. Heute gehört
das Concerto zum Standard-Repertoire aller namhaften Orchester und Solisten und
zählt fraglos zu den in den USA und in Europa am häufigsten und besten
Klavierkonzerten unseres Jahrhunderts.
Noch einmal kurz zurück ins Jahr 1925:
Nach der Uraufführung des Concertos wurde auf einer Premierenparty zu
Ehren Gershwins unter seinen Freunden heiß über seine Zukunft
diskutiert. Die einen meinten, Gershwin solle sein Theorie- und
Kompositionsstudium wieder aufnehmen und nachholen, was er in seiner Ausbildung
bisher versäumt habe, andere widersprachen dem und sagten, darunter
würden nur Gershwins Spontaneität und Frische leiden; und noch einmal
andere waren der Meinung, George solle sich ganz und gar von der
Unterhaltungsmusik zurückziehen und sich nur noch auf seriöse Werke
konzentrieren. Dies wiederum weckte den Protest jener, die ihn allein seiner
populären Arbeiten wegen für eine einsame Größe
hielten.
Gershwin selbst war nicht der Meinung, daß seine angeborene Begabung
durch intensives Studium leiden würde.
Seine Worte zu Ira lauteten: “Jeder Komponist sollte die ganze
komplizierte Materie beherrschen, vom Kontrapunkt bis zur Instrumentierung. Nur
so gelangt er mit seinem Werk zu neuen Ufern.”
So war es auch nicht verwunderlich, daß Gershwin eigentlich nie
aufgehört hatte zu lernen. Nach dem Abschluß bei Kilenyi folgten
viele andere Lehrer, bei denen er Unterricht in Kontrapunkt und Harmonielehre
etc. nahm, und zwischendurch studierte Gershwin auf eigene Faust weiter oder
konsultierte berühmte Kollegen.
1926 und ’27 feierten die Gebrüder Gershwin noch zwei weitere
große Momente am Broadway. Außerdem wurde die Familie Gershwin um
ein Glied reicher. Ira heiratete Lee, ein Mädchen, das er auf einer der
zahlreichen Parties, zu denen ihn George immer mitschleppte, kennen- und
liebengelernt hatte. Sie und Ira zogen nun in die vierte Etage am Riverside
Drive, also direkt unter Georges “Heiligtum”.
Nach vielen Jahren laufender Arbeit in den Staaten trat George nun im
März 1928 gemeinsam mit seiner jüngsten Schwester Frances, Ira und Lee
eine größere Europareise an.
Doch auch auf dieser Reise kam man nicht viel zur Ruhe. Die Gershwins waren
stets geladene Gäste auf diversen Parties, in Shows und
Konzerten.
Am 25. März reiste man u.a. auch nach Paris. George nützte seinen
dortigen Aufenthalt vor allem, um die dort ansässigen Komponisten
aufzusuchen, wie z.b. Maurice Ravel, Darius Milhaud, Francis Poulenc, Sergej
Prokofjew, um nur einige zu nennen. Die Bewunderung und Anerkennung beruhte bei
diesen Begegnungen stets auf Gegenseitigkeit.
Neben all seinen Aktivitäten hatte Gershwin jedoch immer noch
genügend Zeit, um sich seinem nächsten großen Werk zu widmen, er
wollte ein Orchesterwerk schreiben und begann mit dem Komponieren von An
American In Paris.
Auch als er bald darauf Paris verließ und nach Wien reiste, wo er
u.a. Bekanntschaft mit Franz Léhar und der Witwe von Johann Strauss
machte, arbeitete er weiter an diesem Werk.
Am 1. August war die Klavierfassung von An American in Paris
fertig gestellt, und nach seiner Rückkehr in die USA setzte sich George
sogleich an die Orchesterfassung, d.h. Instrumentierung.
Am 13. Dezember 1928 fand unter der Leitung von Walter Damrosch die
Premiere in New York statt. (längeres Hörbsp. mit kleiner
“Höraufgabe” und Text – s. >Inhaltbeschreibung< -
An American In Paris)
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