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Die Kritiken über An American In Paris waren wie bereits
beim Concerto sehr unterschiedlich. Vom enthusiastischsten Lob bis zur
bissigsten Verschmähung war alles dabei, doch nichts-destotrotz hat sich
An American In Paris im internationalen Konzertrepertoire
behauptet.
Gershwin schrieb in den Jahren 1928/29 noch weitere Musicals, die aber
nicht so viel interessantes Material vorweisen.
Jedoch weitete sich für ihn der Horizont in anderer Weise. War er
seither nur als Solopianist auf der Konzertbühne bekannt, trat er nun auch
ab und zu als Gastdirigent auf.
So dirigierte er z.B. am 26. August 1926 in New York das Sinfonieorchester
mit seinem An American In Paris. Für dieses Konzert
ließ er sich extra vorher von seinem früheren Lehrer Kilenyi den
Umgang mit dem Taktstock zeigen und übte daheim fleißig zu
Schallplattenaufnahmen.
Auch später griff er immer wieder zum Taktstock und leitete bei
Aufführungen seiner Werke mehrere Sinfonie- und Rundfunkorchester oder
dirigierte die Premiere eines Musicals.
1931/32 transkripierte und bearbeitete George achtzehn seiner Songs nach,
die zusammengefaßt als “George Gershwin’s Song Book”
veröffentlicht wurden.
George hatte nun ein neues Ziel seines musikalischen Schaffens vor Augen,
er wollte sich der Oper zuwenden.
Schon längere Zeit zuvor, im Jahr 1929, hatte er diesen Gedanken
gehabt.
Eines Nachts konnte er nicht einschlafen und griff zum nächstbesten
Buch, das auf dem Nachttisch lag. Der Roman war ein gerade neu herausgekommenes
Buch von DuBose Heyward und hieß “Porgy”. George war gefesselt
von der Geschichte und schrieb noch in derselben Nacht dem Autor einen Brief, in
dem er ihm mitteilte, daß er diesen Roman unbedingt zu einer Oper
verarbeiten wolle. Heyward zeigte sich sehr interessiert, doch bis zur Umsetzung
des Vorhabens sollte noch etwas Zeit verstreichen.
Unterdessen lernte das Kino gerade das Sprechen, und George und Ira wurden
nach Hollywood verpflichtet, wo sie für den Film Delicious
die entsprechende Filmmusik beisteuern sollten.
Die Arbeit beanspruchte ihn nicht all zu sehr, insgesamt saß er nur
sieben Wochen an der Musik.
Neben den Songs, hatte George auch etwas Hintergrundmusik zu komponieren,
beispielsweise eine kurze Sequenz, die das pulsierende Leben und die
Geräusche der Großstadt illustrierte und im Rhythmus der
Niethämmer gipfelte.
Dieses Großstadt-Motiv wurde später auch der Kern des
nächsten Orchesterwerks, der Second Rhapsody, die am
29.Januar 1932 in Boston uraufgeführt wurde.
Die Jahre 1930 und 1931 vergingen mt einigen weiteren Sternstunden am
Broadway.
1932 starb Gershwins geliebter Vater, was ihn schwer traf. George war
gerade dabei, an einem Orchesterstück mit kubanischen Schlaginstrumenten zu
schreiben, dessen er bei einem kurzen Urlaub auf Kuba inspiriert wurde. Aufgrund
des Todesfalles seines Vaters legte sich Gershwin zur Ablenkung mit aller
Energie in die Arbeit. Es entstand die Cuban Ouverture.
1933 zog Gershwin in eine eigene Wohnung, die 14 Zimmer hatte.
Das folgende Jahr 1934 begann mit einer langen und anstrengenden Tournee.
Nach der Tournee lief auch schon das nächste musikalische Projekt an.
Gershwin leitet seine eigene Radioshow, in der er sowohl als Moderator als auch
als Dirigent, Komponist und Solist auftrat.
Und endlich begann George sich auch intensiver mit seinem lang gehegten
Traum einer Oper zu widmen.
Es folgte ein heftiger Briefwechsel zwischen Heyward, dem Autor von
"Porgy”, und George. Sein Entschluß stand fest, er wollte eine Oper
über die schwarze Bevölkerung in Amerika schreiben.
Nun wurde auch Ira in das Projekt mit einbezogen, der eine unentbehrliche
Unterstützung für die Textdichtung wurde.
George verbrachte zur Einstimmung in das gewählte Genre eine
längere Zeit in South Carolina unter der unteren Schicht der Schwarzen.
Dort sammelte George Klänge, Rhythmen, Gewohnheiten ... einfach alle
Eindrücke, die er auch in seiner Oper wiedergeben wollte.
Insgesamt nahm die Arbeit der Oper 20 Monate in Anspruch.
George war jedoch stolzer denn je auf sein Werk. Wann immer er irgendwo ein
Klavier herumstehen sah, setzte er sich sofort daran und konnte stundenlang
Stücke aus seiner Oper spielen.
Zur Aufführung von Porgy und Bess, wie die Oper getauft
wurde, wurden viele junge und unbekannte neue Künstler an den Broadway
gerufen und entdeckt.
Nach einer langen und strapaziösen Probenphase wurde am 30. September
1935 in Boston Gershwins “Lieblingswerk” uraufgeführt und mit
fast nicht enden wollender Ovation und Begeisterung vom Publikum gekrönt.
Hernach ging die Oper auf Tour und wurde überall eigentlich recht gut
aufgenommen. Außerdem setzte Porgy und Bess vor allem in
Washington ein bedeutsames Zeichen. Erstmals nach hundert Jahren wurden dort auf
und vor der Bühne die geltenden Rassenschranken aufgehoben; jeder
amerikanische Bürger konnte die Aufführung besuchen, ohne der
diskriminierenden Segregation ausgesetzt zu werden.
Die Presse jedoch war, wie schon so oft, geteilter Meinung. Und die Kosten
spielten leider auch nicht alle Aufwandskosten ein, so daß die Tour mit
einem Defizit von $70.000 in der Kasse vorzeitig abgebrochen werden mußte.
Doch trotz niederschmetternder Kritik und den Verlusten war Gershwin in
seinem Enthusiasmus und seiner Liebe zu seiner Oper nicht zu bremsen. Für
ihn stand fest, daß diese Oper sein absolutes Lebens- und Hauptwerk sei,
er war in seiner Überzeugung bis zu seinem Tod nicht wieder
abzubringen.
Gershwins Überzeugung fand jedoch erst viele Jahre später, als er
bereits gestorben war, zu seiner tatsächlichen Bestätigung.
Porgy und Bess wurde mittlerweile mit aller Anerkennung und
Wertschätzung auf allen Bühnen der Welt aufgeführt und darf sich
heute zu den bedeutendsten Werken des 20. Jahrhunderts und dem
“klassischen” Repertoire der Opernliteratur zählen. (evtl.
Kurzes Hörbsp. Summertime)
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