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Gershwin, George (1898-1937).

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Nach Porgy und Bess stand nun das neue, große Ziel vor Gershwin. Er wollte nach Hollywood und intensiver in der Filmbranche musikalisch tätig werden. 1936 löste er seinen Haushalt in New York auf und zog gemeinsam mit Ira nach Hollywood.
Gershwins erstes Filmmusical Shall We Dance wurde ein echter Renner und somit fand er also auch in diesem Metier seinen Durchbruch.
George war anfangs hingerissen von der ausgelassenen und gemütlichen Atmosphäre und der Lebensweise Hollywoods, was etwas völlig Neues für ihn war. Sein Leben bestand nun mehr aus einer nie reißenden Kette von Parties und Dinners. Und tagsüber hatte er viel Zeit zum Spazierengehen und Relaxen.
Neue Freunde kamen hinzu, besonders die Freundschaft mit Arnold Schönberg hatte es Gershwin angetan. (Mit diesem “Meister der Zwölftontechnik” spielte er jede Woche Tennis.)

Im Laufe der Jahre wurde George jedoch immer unruhiger in Hollywood. Seine dortige Arbeit befriedigte ihn nicht mehr, sie belastete ihn eher, denn die Forderungen der Filmproduzenten ließen ihm kaum mehr seinen kreativen Spielraum beim Komponieren. Viele seiner Kompositionen wurden willkürlich abgeändert oder nach seiner Meinung verstümmelt. Das machte ihn mehr und mehr unzufrieden.
Außerdem bekam er, der er sowieso von Natur aus eher der aktive und arbeitsfreudige Typ war, wieder Heimweh nach seiner alten Umgebung, dem “hektischen” New York und seinen alten Freunden und Kollegen.
George wollte wieder zurück und fürs Revuetheater schreiben, vor allen Dingen aber wollte er sich verstärkt der ernsten Musik zuwenden.

Gershwin wurde nun aktiver im Dirigieren und bekam auch von Übersee Anerkennung und Engagements.

1937 litt Gershwin trotz aller Zuwendung seiner Freunde plötzlich unter schweren Depressionen. Er fühlte sich immer einsam und allein gelassen.
Dann verliebte er sich Hals über Kopf in die Ehefrau Charlie Chaplins, Paulette Goddard. George wurde besessen von dem Gedanken, daß er sie zur Frau haben muß und beschwor sie immer hartnäckiger, seine Frau zu werden. Ihre stetige Weigerung, Charlie Chaplin wegen ihm zu verlassen, erschütterte ihn zutiefst.

Von da an ging es Gershwin psychisch immer schlechter. Seine charakteristische Arbeitsfreude war wie erlahmt, er wurde zeitweise sehr melancholisch und hatte Angst davor, allein gelassen zu werden.

Wenig später traten erste Symptome einer ernsten Krankheit auf.
Während eines Konzerts am 11. Februar 1937 in L.A. hatte Gershwin, der Solist war, plötzlich ein kurzes Blackout. Solche Zwischenfälle wiederholten sich im Laufe der Monate.
Auch seine Psyche verschlimmerte sich, George wurde apathisch und seltsam. Er konsultierte mehrmals Ärzte und ließ sich gründlich untersuchen, doch die Ärzte konnten nie einen physiologischen Makel an ihm finden und begründeten seine psychischen Probleme mit Überstrapazierung der Nerven und Heimweh.
Gershwins gesundheitlicher Zustand wurde jedoch weiterhin immer kritischer, schon bald klagte er oft über unerträgliche Kopfschmerzen und den Geruch nach verbranntem Gummi.
Er blieb nun nur noch zu Hause mit seinem Pfleger und scheute vielen Besuch. Nur noch Ira und Lee kamen noch sehr oft zu ihm und schauten nach ihm.
Am 8. Juli 1937 sackte Gershwin endgültig zusammen und wurde ins Krankenhaus gebracht.
Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der besorgten Öffentlichkeit und seinem Freundeskreis immer wieder beschwichtigt, daß es George an nichts Ernstem fehle.
Der Verdacht auf einen Gehirntumor verhärtete sich, und die Ärzte unterzogen den im Koma liegenden einer weiteren intensiven Röntgenuntersuchung.
Die Vermutungen wurden positiv bestätigt und man entschloß sich rasch zu einer Operation.
Jedoch kam der Eingriff zu spät, denn nach dem Entfernen einer Zyste im Hirn stellte man fest, daß sich der Kern des Tumors bereits sehr tief im Hirngewebe eingebettet hatte und nicht zu entfernen war.

Am 9. Juli 1937 starb George Gershwin im Alter von 38 Jahren und zur schmerzlichen Erschrockenheit aller unwissenden Freunde und Familienangehörigen, ohne vorher noch einmal aufgewacht zu sein.



Abschließend zum gesamten Schaffen Gershwins ist zu sagen, daß Gershwins charakteristischstes Merkmal seine unabwendbare Liebe zur amerikanischen Unterhaltungsmusik war.
Schon mit 16 Jahren sagte er zu seinem damaligen Klavierlehrer, Hambitzer, beim Diskutieren über Ragtimemusik: “ Das ist amerikanische Musik. So sollten wir Amerikaner uns ausdrücken. So will ich komponieren.”
Und diesem Vorsatz blieb Gershwin bis zu seinem Lebensende treu. Nie stellte er das hohe Niveau und den hohen Wert der sogenannten “leichten” Musik in Frage.
Er war davon überzeugt, daß ein ernster Komponist mit den Mitteln der ernsthaften Musik – also ihren harmonischen, rhythmischen und kontrapunktischen Möglichkeiten – auch auf dem Gebiet der populären Musik Bedeutendes schaffen und eine durchaus persönliche Tonsprache finden konnte.

Seine Hinterlassenschaften zeugen davon, daß er Recht hatte.



[Quelle: George Gershwin – Vom Erfolg zur Größe; David Ewen;
Knaur-Verlag; München; August 1991]
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
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